Alles gegen Spende? Überlegungen zum Umgang mit dem Buchpreisbindungsgesetz

Alles gegen Spende? Überlegungen zum Umgang mit dem Buchpreisbindungsgesetz

Unser Ziel ist es, unsere Bücher für alle Menschen zugänglich zu machen. Das bedeutet, dass unsere Publikationen auch kostenlos erhältlich sein müssen, denn für viele Menschen ist selbst ein sehr geringer Preis zu hoch. Doch gerade gedruckte Publikationen, bei denen Materialkosten für jedes Exemplar anfallen stellen eine_n vor Herausforderungen was die Finanzierung angeht, wenn sie kostenlos verteilt werden. Abgesehen davon wollen wir, dass Autor_innen von libertärer Literatur gefördert werden. Optimalerweise sollten sie natürlich durch ihre Schriftsteller_innen-Tätigkeit ihren Lebensunterhalt im herrschenden System bestreiten können. Sicher ist das vielfach utopisch. Wir wollen jedoch wenigstens die ohnehin schon viel zu niedrigen finanziellen Erwartungen, die weniger bekannte Autor_innen bei herkömmlichen Verlagen haben, übertreffen.

Eine gute Lösung, die in der Praxis bereits vielfach erprobt wurde, wäre die Verteilung der Publikationen auf Spendenbasis. Die Leser_innen könnten so je nachdem wie viel sie für eine Publikation geben wollen und können, einen selbst gewählten Beitrag zur Finanzierung leisten. Leser_innen die mehr Geld erübrigen können und wollen würden so ausgleichen, dass es manchen Leser_innen nicht möglich ist, Geld für eine Publikation auszugeben. Doch es gibt ein großes Problem mit diesem Konzept: Das deutsche Buchpreisbindungsgesetz gebietet einen verbindlichen und überall gleichen Verkaufspreis für ein bestimmtes Buch. Ausnahmen von dieser Regelung gelten nur in wenigen Fällen, etwa wenn Bücher beschädigt wurden (sogenannte Mängelexemplare). Nun ließe sich damit argumentieren, dass eine Veräußerung eines Buchs gegen eine von der_dem Käufer_in festgelegte Spende dem eigentlichen Sinn des Buchpreisbindungsgesetzes nicht entgegen steht, doch faktisch würde mensch sich damit permanent in einer juristischen Grauzone bewegen und so möglicherweise gar die Existenz des Verlags gefährden (denn bei Verstößen gegen das Buchpreisbindungsgesetz können hohe Strafen erhoben werden und das letzte was wir wollen ist, dass Gelder die eigentlich in die Förderung von libertärer Literatur fließen sollten, in den Händen des Staates landen). Ganz ähnlich verhält es sich bei der Anwendung der durchaus verbreiteten Methode der Deklarierung von Büchern zu Mängelexemplaren. Dabei geht es uns nicht darum, ein sinnloses Gesetz, das von der deutschen Buchlobby erwirkt wurde, nicht zu übertreten. Im Gegenteil. Doch wir glauben, dass es klügere Methoden gibt, das Buchpreisbindungsgesetz auszuhebeln, bei denen die notwendigen Strukturen eines Verlags nicht permanent gefährdet sind.

So ist eine Möglichkeit, die Geldbeschaffung für die Kosten einer Publikation von ihrer Verteilung zu entkoppeln. Wir als Verlag setzen den Preis für alle Publikationen auf null Euro fest, diese werden also verschenkt. Bevor die Publikation erscheint, muss also auf andere Art und Weise Geld gesammelt werden. Wir wollen uns nun zweier Methoden bedienen: Zum einen über eine Crowdfunding-Kampagne, zum anderen über die Gründung eines gemeinnützigen Vereins.

Bei der Crowdfunding-Kampagne starten wir für jedes Buchprojekt einen Spendenaufruf zur Unterstützung seiner Realisierung. Es wird vorher eine Auflage festgelegt und die Kosten dafür (einschließlich Autor_innenhonorare und Vertriebskosten) hochgerechnet und als Spendenziel publiziert. Von den Spenden geht ein bestimmter Prozentsatz sofort und direkt an die Beteiligten an diesem Buchprojekt. Sobald das Spendenziel erreicht ist, wird die vorher angekündigte Auflage gedruckt. Außerdem wird die Publikation online zum Download zur Verfügung gestellt. Die Online- wie die Printausgabe (die natürlich nur solange der Vorrat reicht) sind dann frei erhältlich. Mit dem Drucken der gewünschten Auflage ist die Kampagne aber nicht beendet. Sie läuft auch mit Veröffentlichung der Publikation weiter und das Geld, das dann weiter hereinfließt, wird entweder für den Druck einer weiteren Auflage von Print-Exemplaren genutzt, oder als Bonus an die Schöpfer_innen des Werks ausgezahlt oder zur Förderung anderer Projekte eingesetzt. Was genau mit diesem Geld geschieht, entscheiden wir alle zusammen.

Außerdem wird die Rechtsform des Verlags der eines gemeinnützigen Vereins sein. Menschen können dann über freiwillige Mitgliedsbeiträge oder als einmalige Spende die Zwecke des Vereins, nämlich die Förderung libertärer Kunst und Kultur sowie deren Schöpfer_innen, unterstützen. Das so gesammelte Geld geht in den Erhalt der Infrastruktur des Vereins und natürlich überwiegend in die Buchprojekte selbst. Über einen gemeinnützigen Verein lassen sich zusätzlich Förderanträge stellen und ehrenamtliche Mitglieder haben die Möglichkeit, zum Beispiel in Form von Ortsgruppen beim Sammeln von Spenden für den Verein kreativ zu werden. Sie könnten eine Soliparty schmeißen oder eine Spendendose aufstellen oder eine Veranstaltung organisieren oder allgemein für den Verein und für Spenden werben, die Möglichkeiten sind vielfältig.

Mithilfe dieser beiden Instrumente sind wir der Meinung ermöglichen zu können, dass trotz Buchpreisbindungsgesetzes alle Zugang zu den Publikationen dieses Verlags bekommen können. Netterweise können wir so zusätzlich erreichen, dass sich auch alle daran beteiligen können, dieses Ziel zu erreichen. Wir zählen auf euch! 🙂

 

 


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